Wilde Nachbarn ums Haus Wie gehen wir damit um?

Experten diskutieren den Umgang mit Wildtieren in der Stadt

Neue Urbanisierung Wildtiere erobern den Lebensraum Stadt unter diesem Thema organisierte die Akademie füt Wild. Jagd und Natur in Zusammenarbeit mit der Umweltakademie Baden-Württemberg am 15.Mai eine Fachtagung am Staatlichen Museum für Naturkunde am Löwentor, Stuttgart.

Städte und urbane Siedlungen hat der Mensch nach seinen Bedürfnissen geschaffen. Es mag überraschen: die Artenvielfalt ist mitunter in Städten höher als im Umland. Wildtiere können auch sehr nützlich sein: Füchse und Marder etwa jagen Ratten, die ein Gesundheitsrisiko darstellen; Falken haben Tauben auf ihrem Speiseplan, die in vielen Städten zur Plage geworden sind erklärte Dr. Jörg Friedmann, Landesjägermeister des Landesjagdverband Baden-Württemberg. Jedoch können auch die Füchse selbst zum Gesundheitsrisiko werden, indem Sie Überträger von Parasiten und Viruserkrankung sein können so Dr. Friedmann weiter.

Welche Wildtierarten in welchem Ausmaße und insbesondere oftmals von den Bürgern völlig unbemerkt in den letzten Jahren/Jahrzehnten die Städte für sich erobert haben, stellte Dr. Christof Janko vom Lehrstuhl für Tierökologie an der Technischen Universität in München vor. Die Stadt ist für den Fuchs ein Schlaraffenland. Hier wird ihm eine breite Palette an Nahrungsquellen angeboten. Neben Küchenabfällen auf nicht abgedeckten Komposthaufen stehen vor allem auch Mäuse, Käfer, Regenwürmer, Vögel oder Fallobst auf seinem Speiseplan. Ergänzt wird das Nahrungsangebot durch Abfälle aus Mülltonnen und Containern, Resten von Grillfesten oder einem Picknick im Park berichtete Christof Janko. Außerdem holt er sich Fütterungsreste von Hunden, Katzen, Igeln und Vögeln in Gärten oder von Terrassen. Burger- Verpackungen oder auch die klassische bayerische Schweinshaxe haben wir schon in Fuchsmägen gefunden so Janko weiter.

Doch nicht jedes Wildtier bleibt von Bürgern unbemerkt, so dass es in einzelnen Fällen zu Konflikten kommen kann. Der Umgang mit all diesen Wildtieren in der Stadt stellt betroffene Bürger und die zuständigen Behörden vor einige Herausforderungen. Anfragen bei Jägern, Jägervereinigungen und beim Landesjagdverband betreffen oft die besonders problematischen Tierarten, bei denen ein Eingreifen durch Wegfang oder Abschuss gewünscht wird erläutert Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband Baden-Württemberg. Damit ein friedliches Miteinander von Mensch und Wildtier in den Städten funktioniert, bedarf es genauer Kenntnisse über die Bedürfnisse und Lebensweisen der Arten und ggf. ein steuerndes Eingreifen. Zudem bedarf es zentraler Anlaufstellen für Bürger, die die wichtige Aufgabe der Beratung und Information leisten müssen.

Wie ein solches Wildtiermanagement in der Praxis aussehen könnte, stellte Geva Peerenboom vom Arbeitsbereich Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Universität Freiburg vor. Im Rahmen von Wildtiermanagement im Siedlungsraum sind oft viele verschieden Akteure involviert: Ordnungsämter, Polizei, Naturschutz- und Jagdbehörden, Veterinär-, Bau- und Stadtforstämter, Jäger, Tierschutzverbände und vor allem die betroffene Bevölkerung. Diese gilt es optimal zu koordinieren, um negative Wirkung von Wildtieren im Siedlungsraum zu vermindern und die positiven Aspekte zu stärken. Dabei ist die Einbindung von ehrenamtlichen Helfern von Tier-, Naturschutz-, und Jagdverbänden sinnvoll, da hier ein großes Wissens- und Handlungspotenzial besteht betonte Geva Peerenboom.

Ein anschauliches Erfahrungsbeispiel im Umgang mit Wildtieren in der Kommune in diesem Fall mit Waschbären - stellte Georg Krause, Umweltbeauftragter der Stadt Donzdorf vor. Der Waschbär zählt zu den Sympathieträgern in der Tierwelt, allerdings fehlen in unseren Breiten die natürlichen Feinde des Waschbären, so dass die Population rasch wächst, so Krause. Für ein friedliches Miteinander von Bürgern und Waschbären bedarf es neben fundierter Aufklärungsarbeit auch ein paar Verhaltensregeln: Keine Entsorgung von Nahrungsmittelresten auf dem häuslichen Kompost und kein Haustierfutter über Nacht im Freien stehen lassen.

Auch die Problemfälle unter den wilden Mitbewohnern blieben nicht unberücksichtigt: DJV-Fangjagdexperte Stefan Wunderlich brachte die Teilnehmer auf den aktuellen Wissens- und Diskussionsstand bei der Fangjagd. Mit Praxisbeispielen belegte er große Diskrepanzen zwischen Selbsthilfemaßnahmen betroffener Bürger und dem professionellen Einsatz von Fanggerätendurch sachkundige Jäger.

Um die praktischen Aspekte des Einsatzes von Fallen ging es auch im Beitrag von Iris Konrad und Walter Merkert. Neben einer gut abgestimmten Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden, bedarf es viel Engagement, Fachwissen und Erfahrung um betroffenen Bürgern in Notfällen helfen zu können.

Das Ziel der Tagung, Lösungen und Wege für ein gemeinsames Miteinander von Mensch und Tier aufzuzeigen und kommunalen Verwaltungen bezüglich des Wildtiermanagements in der Stadt Hilfestellung zu geben, kam man nahe. Im Rahmen der Fachtagung wurde klar, dass eine Zusammenarbeit aller Beteiligten zu Lösungen bei lokal auftretenden Problemen mit Wildtieren führt. Wichtig hierbei sind auch die Aufklärungsarbeit im Vorfeld und die Beratung, welche ebenfalls von Jägern als kompetenten Partnern übernommen wird.

Einigkeit bestand jedoch bei allen Experten darin, dass derzeit für ein sinnvolles und durchdachtes Wildtiermanagement in urbanen Räumen einige rechtlichen Voraussetzungen fehlen. Vielerorts mangelt es zudem an Ressourcen, um ein effektives Wildtiermanagement durchzuführen.

Erstellt am 23.06.2014
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